Warum Bitcoin als Inflation-Schutz bislang nicht funktioniert hat…

Im Juni betrug die US-Inflation 9,1%, was dem höchsten Wert seit über 40 Jahren entspricht. Damals, im Jahr 1980, stieg die Inflation laut US-Regierung sogar bis auf 14,76%, wobei die tatsächliche Inflation noch weitaus höher gewesen sein dürfte.

Aber auch in Europa und in vielen weiteren Ländern steigt die Inflation durch die Folgen der Pandemie (Geldmengen-Ausweitung, Rohstoff-Knappheit, Lieferengpässe etc.) unerbittlich, was immense Probleme verursacht. Denn die Konsequenz einer hohen Inflation ist, dass die Kaufkraft der Bürger abnimmt und das hart verdiente Geld zunehmend entwertet wird.

Um der hohen Inflation entgegenzuwirken, hat die US-Notenbank FED schon vor über einem Jahr damit begonnen, die Zinsen anzuheben. Auch die EZB hat kürzlich das erste Mal seit über 11 Jahren die Zinsen angehoben. Dies bekämpft zwar die Inflation, sorgt allerdings auch dafür, dass sich die Wirtschaft abschwächt und die Gefahr einer Rezession zunimmt. Seit letzter Woche befindet sich die US-Wirtschaft rein technisch gesehen in einer Rezession.

Gold gilt seit Jahren als sicherer Hafen

Diejenigen Anleger, die ihr Geld vor der Entwertung schützen wollen, haben sich in der Vergangenheit meist Edelmetallen wie Gold zugewandt. Der Grund ist, dass Gold im Gegensatz zu Fiatgeld (Euro, US-Dollar) begrenzt ist und nicht ohne weiteres vermehrt werden kann. Gold hat bereits Jahrtausende als Wertaufbewahrungsmittel gedient und ist in den Jahren stetig im Wert gestiegen, sodass die Kaufkraft nicht verloren ging. Natürlich musste man auch beim Gold oft einen langen Atem haben, da der Preis von Gold auch volatil ist und Korrekturphasen teilweise mehrere Jahre anhalten können.

In den letzten Jahren wurde aber auch Bitcoin (BTC) als Absicherung gegen die Inflation immer beliebter, da die Krypto-Währung sehr ähnliche Eigenschaften wie Gold besitzt. Tatsächlich ist der Bitcoin dem Gold in vielen Punkten sogar überlegen: Die Produktionsmenge von BTC ist geringer als die des Goldes und mathematisch begrenzt, zudem lässt sich BTC leichter über Grenzen hinweg transportieren und einfacher als Tauschmittel verwenden.

Einen wesentlichen Nachteil aber hat Bitcoin (BTC). Er existiert gerade einmal 13 Jahre und wurde erst als Antwort auf die Finanzkrise im Jahre 2008 erschaffen, weshalb Anleger nur spekulieren konnten, wie sich der Bitcoin in einer Rezession verhält und ob sich das digitale Gold tatsächlich als Inflations-Schutz eignet.

Betrachtet man die Wertentwicklung des Bitcoins seit Jahresbeginn ist klar, dass das Asset sein Werteversprechen als Inflations-Schutz in diesem Zeitraum, in dem die Zinsen zur Inflations-Bekämpfung maßgeblich angehoben wurden, nicht halten konnte. Denn seit Anfang des Jahres hat sich der Bitcoin-Kurs in etwa halbiert (-51%). Berechnet man die Inflation mit ein, ist der Wert gegenüber dem US-Dollar noch einmal drastischer um ca. 60% gefallen. Gold hingegen ist seit Beginn des Jahres gerade einmal um 2% gesunken, Bitcoin-Anleger sind entsprechend enttäuscht.

Was sind die Gründe für das schlechte Abschneiden gegenüber Gold?

Schon vor dem Zusammenbruch des Krypto-Marktes gab es eine Debatte darüber, ob Bitcoin (BTC) seinen Wert in solchen Zeiten halten würde. Aus Sicht der Bitcoin-Befürworter reicht die Knappheit und maximale Menge von 21 Mio. BTC aus, um in Zeiten steigender Inflation als sicherer Hafen zu gelten.

Außerdem steigt der intrinsische Wert durch die zunehmende Akzeptanz vom Bitcoin (BTC) in der Wirtschaft und Gesellschaft. Der Milliardär und Investor Paul Tudor Jones setzte daher auf Bitcoin als Inflations-Schutz, während der Besitzer der Dallas Mavericks und Investor Mark Cuban die Idee des „Inflation Hedge“ als reinen Marketing-Slogan abtat.

Cuban schien mit seiner Aussage auf den ersten Blick Recht zu behalten, was aus Sicht der zertifizierten Finanz-Planerin und Fit Advisors-Gründerin Anjali Jariwala vor allem auf zwei Dinge zurückzuführen ist: Zum einen ist das Ausmaß der Volatilität bei Krypto-Währungen so groß, dass es schwerfällt, diese als langfristige Wertaufbewahrungsmittel zu betrachten. Die hohe Volatilität lässt sich mitunter damit erklären, da es sich bei Krypto-Währungen um eine neue Art von Vermögens-Werten handelt, die noch nicht als begehrter Rohstoff wie Gold oder sogar als Währung fungieren.

Der Preis einer Krypto-Währung wie Bitcoin (BTC) basiert demnach noch immer weitgehend auf der Stimmung der Verbraucher – und die hat sich aufgrund der makroökonomischen Lage bedeutend verschlechtert. Zum anderen gibt es aufgrund der jungen Historie von Krypto-Währungen einfach noch nicht genügend Daten, um wirklich zu verstehen, welchen Zweck diese als Investition erfüllen.

Omid Malekan, Professor an der Columbia Business School, der sich auf Krypto-Währungen und die Blockchain-Technologie spezialisiert hat, ist sich hingegen sicher, dass über die Zeit die Volatilität bei Krypto-Währungen abnehmen wird. Erst dann wird sich zeigen, ob Digital-Währungen tatsächlich auf makroökonomische Entwicklungen, Zinsanhebungen etc. reagieren, glaubt der Professor.

Denn eines darf man nicht vergessen: Die Anhebung der Zinsen war bei weitem nicht der einzige Grund für den Krypto-Crash. Die aktuellen Preise spiegeln vielmehr alle möglichen Faktoren wider, wie z.B. die Zwangs-Liquidierungen großer Hedgefonds oder auch die mangelnde Regulierung.

Ist Bitcoin als Inflations-Schutz gescheitert?

Krypto-Währungen bleiben zunächst hochrisikoreiche Investments, in die man nicht mehr Geld investieren sollte, als man verlieren kann. Man sollte Krypto-Investitionen zudem als eine langfristige Strategie betrachten. Denn wenn man auf die Wertentwicklung nicht erst seit Anfang des Jahres, sondern der letzten 3 Jahre seit dem Corona-Crash im März 2019 blickt, wird deutlich, dass der Bitcoin (BTC) alle anderen Anlageklassen übertroffen hat und um über 330% im Wert gestiegen ist:

Bitcoin-Chart in den letzten 3 Jahren | Quelle: Tradingview.com, entnommen am 04.08.2022

Insofern hat der Bitcoin tatsächlich besser als Inflations-Schutz gedient als Gold, das im selben Zeitraum um gerade einmal 20% im Wert gestiegen ist.

Unser Fazit:

Da Krypto-Währungen als Anlageklasse gerade einmal 13 Jahre existieren ist die Frage, ob sich Bitcoin & Co. als guter Inflations-Schutz bewähren, noch nicht final zu klären.

Kurzfristig leiden Krypto-Währungen unter der schlechten Marktstimmung, gleichzeitig halten sich Investoren bei spekulativen Assets derzeit zurück. Wann man allerdings die langfristige Wertentwicklung betrachtet, gilt der Bitcoin (BTC) tatsächlich als eines der besten Assets überhaupt und hat sich aus der Betrachtung heraus als Inflations-Schutz bewährt. Es ist daher sehr wichtig, dass Anleger langfristig engagiert bleiben und an dieser Strategie auch in schwierigen Zeiten festhalten.

Bitcoin-Chart (1-Jahres-Kursentwicklung) | Quelle: Tradingview.com

Charttechnik:

Die 50-Tagelinie (blaue Linie) bei etwa 21.400 US-Dollar dient derzeit als Unterstützung. Diese Unterstützung sollte der Bitcoin (BTC) in den nächsten Tagen/Wochen möglichst nicht unterschreiten, sonst droht ein Test der bisherigen Jahrestiefstände.

Der Trendfolge-Indikator MACD deutete zuletzt ein bärisch Crossover an, was für eine weitere Konsolidierung beim Bitcoin (BTC) spricht. Derzeit fehlen Anschlusskäufe um den Bitcoin Richtung 200-Tagelinie (rote Linie) zu treiben, die aktuell bei ca. 33.500 US-Dollar verläuft.

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