Großer Krypto-Hedgefonds geht pleite – was bedeutet das?

Der in Singapur ansässige Krypto-Hedgefonds Three Arrows Capital (3AC), der zu Beginn des Jahres noch Gelder in Höhe von 10 Mrd. US-Dollar verwaltet hat, ist nun offiziell bankrott.

Gerüchte über eine mögliche Insolvenz des Kapitalgebers kursierten bereits seit einigen Wochen in den sozialen Medien, da das Unternehmen Nachschussforderungen für mehrere ausstehende Kredite nicht bedienen konnte.

Der Krypto-Fund hat vor wenigen Tagen Konkurs in New York angemeldet und wurde nun laut Sky News von einem Gericht auf den britischen Jungferninseln zur Auflösung (Liquidation) des gesamten Unternehmens-Vermögens verurteilt. Bei der Verwaltung der Insolvenzmasse an die zahlreichen Gläubiger wird 3AC von dem Finanz-Spezialisten Teneo Restructuring unterstützt.

Dies hat bereits negative Auswirkungen auf den gesamten Krypto-Markt, da der Kapitalgeber in viele große Krypto-Währungen substanziell investiert war. Außerdem ließen diverse Unternehmen ihr Geld von 3AC verwalten, die nun ebenfalls in Schwierigkeiten stecken.

Zu diesen Unternehmen zählen unter anderem die Handelsplattformen BlockFi und Celsius (CEL), die Krypto-Investmentfirma DeFiance Capital, sowie der Krypto-Broker Voyager Digital. Voyager musste aufgrund des 3AC-Debakels nun sogar selbst Insolvenz beim Gericht in New York anmelden. Die Zahl der bedrohten Unternehmen ist noch weitaus höher, weshalb in Zukunft auch noch weitere Insolvenzen folgen könnten.

Was sind die Hauptgründe für den plötzlichen Bankrott von 3AC?

3AC wurde bereits vor 10 Jahren von Su Zhu und Kyle Davies in Singapur gegründet und hat sich über die Jahre zu einem der bedeutendsten Krypto-Hedgefonds auf dem Krypto-Markt entwickelt. Während das Unternehmen wuchs, wurden Zhu und Davies zu einigen der bekanntesten Namen in der Branche und waren für eine Reihe von erfolgreichen Wetten mit hoher Überzeugungskraft bekannt.

Zu Shu hat überdies auf Twitter das Narrativ des „Super-Zyklus“, also eines Krypto-Marktes, der für viele Jahre nur eine Richtung kennt, entscheidend vorangetrieben. Durch die hohe Inflation und die Reaktionen der Notenbanken war jedoch klar, dass es so schnell keinen Super-Zyklus geben wird. Stattdessen fielen sehr viele Krypto-Währungen um 80-90% nach Erreichen ihrer Allzeithochs. Diese Entwicklung brachte erstmals nicht nur kleine Investoren, sondern auch große Institutionen und Hedgefonds in erhebliche Schwierigkeiten.

„Erst wenn die Flut ausbleibt, zeigt sich, wer nackt schwimmt!“

– Warren Buffett –

3AC ist bekannt dafür gewesen, kapitalintensiv in Layer-1-Blockchain-Protokolle und DeFi investiert gewesen zu sein. Insgesamt bestand das Portfolio laut Daten der Krypto-Analyseplattform Messari.io aus 25 Krypto-Währungen aus dem Bereich Infrastruktur, DeFi und NFT/Gaming. Zu den Blockchains im 3AC-Portfolio zählen Avalanche (AVAX), Bitcoin (BTC), Ethereum (ETH), Polkadot (DOT) und Kusama (KSM), Mina (MINA), Near (NEAR), Solana (SOL) und Terra (LUNA).

Im Bereich DeFi ist 3AC in Aave (AAVE), Serum (SRM), Compound (COMP), Ardana (DANA), Balancer (BAL), Bonfida (FIDA), dYdX (DYDX), dHEDGE (DHT), Kyber Network (Kyber), Lido DAO (LDO), mStable (MTA), Multichain (MULTI), WOO Network (WOO), Perpetual Protocol (PERP), Synthetix (SNX) und Yearn Finance (YFI) investiert.

Der Kollaps von Terra (LUNA) traf den Hedgefonds jedoch am schwersten und kostete 3AC allein etwa 200 Mio. US-Dollar. Zhu und Davies glaubten offenbar nicht an ein Scheitern des algorithmischen Stablecoin-Projektes, wobei es genügend kritische Stimmen gab, die eindrücklich vor dem eingetroffenen Szenario gewarnt hatten. Da aber das gesamte Portfolio erheblich an Wert verloren hat, manövrierte sich 3AC schnell in eine schwere Liquiditätskrise und konnte Kredite nicht mehr bedienen.

Die Konsequenzen für den Krypto-Markt

Three Arrows Capital (3AC) hat das Geld vieler Unternehmen und Startups verwaltet und entsprechend investiert. Daten der Informations-Plattform Crunchbase zeigen, dass 3AC über private Finanzierungsrunden in insgesamt 56 Krypto-Startups investiert ist.

Durch die Liquiditätskrise und die gerichtliche Anordnung ist 3AC nun dazu verpflichtet, selbst bei den aktuell schlechten Marktbedingungen seine Positionen zu veräußern, was die Kurse der betroffenen Krypto-Währungen noch einmal weiter belasten könnte. Insbesondere die kleineren Krypto-Projekte im Bereich DeFi und Blockchain-Gaming, dessen Krypto-Währungen keine hohe Liquidität aufweisen, könnten besonders stark davon betroffen sein.

Allerdings ist zu beachten, dass diverse Krypto-Börsen bereits 3AC-Positionen aufgelöst haben, nachdem der Krypto-Markt einbrach. BlockFi z.B. hat eine von 3AC gehaltene Position in Höhe von 400 Mio. US-Dollar auf der Plattform liquidiert. Der in New York ansässige Krypto-Broker Voyager und seine beiden Tochtergesellschaften, Voyager Digital LLC und Voyager Digital Holdings, mussten inzwischen Konkurs anmelden, da Voyager ein Engagement in Höhe von 661 Mio. US-Dollar bei 3AC hatte.

Voyager hatte 3AC u.a. einen Kredit für Investitionen in das Terra-basierte Anchor-Protokoll gegeben, das bis zu 20% Rendite auf den Stablecoin UST ausgeschüttet hat und nun quasi wertlos ist. Insgesamt setzte sich der vollständig unbesicherte Kredit aus über 15.000 Bitcoins und 350 Mio. US-Dollar in dem Stablecoin USDC zusammen. Damit ist Voyager auch der mit Abstand größte Gläubiger des Hedgefonds.

Der NFT-Bestand von 3AC

Hinzukommt, dass 3AC eine Reihe von erstklassigen Non-Fungible-Tokens (NFTs) im Bestand hält, die aller Voraussicht nach auch zur Insolvenzmasse gezählt und somit liquidiert werden. Dies könnte dem sowieso schon ins Schlingern geratenen NFT-Markt weiter negativ belasten. Zu dem NFT-Portfolio von 3AC zählen fast ein Dutzend CryptoPunks, dessen Sammlung mit einem Wert von über 3 Mio. US-Dollar am wertvollsten ist.

Weitere NFTs im Portfolio des Hedgefonds sind ein Bored Ape aus dem Bored Ape Yacht Club (BAYC), ArtBlocksCurated im Wert von etwa 2,5 Mio. US-Dollar, eine Vielzahl von ArtBlocks, Autoglyphen, Chromie Squiggles sowie Mutant Apes. Insgesamt belaufen sich die NFT-Vermögenswerte von 3AC auf mehr als 7 Mio. US-Dollar.

Jede Krise birgt Chancen

Unternehmen, die der Krise getrotzt haben und finanziell gut aufgestellt sind, profitieren derzeit von den Insolvenzen und günstigen Kursen am Krypto-Markt. Hierzu zählt allen voran die von Sam Bankman-Fried geleitete Krypto-Börse FTX.

FTX konnte die Gunst der Stunde nutzen, um u.a. die durch 3AC in Not geratene Handelsplattform BlockFi zunächst mit 250 Mio. US-Dollar mit der notwendigen Liquidität zu versorgen, um diese dann anschließend für weitere 25 Mio. US-Dollar zu übernehmen. BlockFi war vor der Liquiditätskrise noch mit 5 Mrd. US-Dollar bewertet – kein schlechter Deal für FTX.

Aber auch die weltweit größte Krypto-Börse Binance erklärte, dass man mit mehr als 50 Unternehmen in Verhandlungen über eine Rettung von Krypto-Startups stehe. Offenbar gibt es viele Unternehmen, die derzeit gegen den drohenden Bankrott kämpfen.

Chart: Bitcoin (1-Jahres-Kursentwicklung) | Quelle: Tradingview

Unser Fazit:

Three Arrows Capital (3AC) hat sich mit geliehenem Geld massiv verspekuliert und etliche Risiken (Terra Stablecoin etc.) missachtet. Die Folgen für den Krypto-Markt sind bereits spürbar, könnten sich aber noch weiter ausbreiten, da noch viele Unternehmen gegen den Bankrott kämpfen.

Sicherlich werden es viele Firmen schaffen, die Insolvenz abzuwenden oder werden mit Hilfe von großen Unternehmen gerettet. Allen wird es aber vermutlich nicht gelingen. Ob und wie viele Krypto-Unternehmen Voyager und 3AC in den Abgrund folgen, wird sich daher erst in den kommenden Monaten zeigen.

Bemerkenswert ist aber auch, dass oft zentralisierte CeFi-Plattformen wie Celsius betroffen sind, die dezentralisierte Tools nutzten. Problematisch ist allerdings, dass viele Firmen versucht haben, durch Spekulation mit hohem Hebel (Overleverage etc.) höhere Renditen zu erzielen und hier auf den falschen Fuß erwischt wurden – dies rächt sich gerade. Daher sollten Anleger nicht überrascht sein, wenn ein weiterer große Player aus der zweiten oder dritten Reihe nicht mehr weitermachen kann.

Charttechnik: Der Bitcoin (BTC) hat sich von der überverkauften Situation von Anfang Juli wieder befreit und eine Kurserholung auf kurzzeitig 22.000 US-Dollar gestartet. Damit scheint zunächst der Weg frei für eine weitere Kurserholung zur 50-Tagelinie, die bei ca. 25.000 US-Dollar verläuft – jetzt von einer Trendwende zu sprechen, wäre allerdings verfrüht. Vielmehr besteht die Gefahr, dass die Tiefstände vor wenigen Wochen nochmals getestet werden.

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